Mittwoch, 2. Juni 2010

Gedanken über Deutschland

Nun sehe ich jeden Tag aus meinem Fenster auf den Innenhof im Jesus Haus. Vor Jahren war dies ein Krankenhaus. Der neuere Flügel wurde in der Zeit der Naziregierung gebaut, man wollte wohl mehr Betten schaffen, denn die Zunahme von Verwundeten durch Kriegshandlungen im Osten war wahrscheinlich.

Darüber denke ich nach: Als der neue Flügel für das Krankenhaus gebaut wurde, kam vielleicht ein Mann namens Paul oder Georg oder Hans nach Hause. Seine Frau am Herd, die Kinder in der Küche: "Gute Nachrichten, die wollen in Herrnhut einen neuen Flügel für das Krankenhaus bauen! Endlich wieder Arbeit für Maurer wie mich in der Region." Paul oder Georg oder Hans bewirbt sich und bekommt den Job. Alle freuen sich, der Papa hat Arbeit, das bedeutet Essen auf den Tisch, vielleicht sogar neue Kleidung oder ein Weihnachtsgeschenk! Und man baut an einem Krankenhaus, das ist doch eine gute Sache, da wird Menschen geholfen.

Und doch, aus heutiger Perspektive, wie anders sieht das aus. Da wurde ein Krankenhaus gebaut, damit man besser Krieg führen konnte gegen die anliegenden Nachbarländer. Da wurde ein Krankenhaus gebaut, nicht etwa um primär Menschen Gutes zu tun, sondern um die Kriegsmaschine einer fehlgeleiteten Regierung besser zu ölen. Etwas, das dem einfachen Mann auf der Straße als gute Nachricht erscheinen musste, war es letztlich nicht. Armes Deutschland - wer sollte in solchen verwirrenden Zeiten ein ehrlicher Deutscher bleiben? Wehret solchen Anfängen!

Und dies ist mein zweiter Gedanke: Leicht gesagt: "Wehret!", wenn man 70 Jahre später zurückschaut. Aber heute ist auch so vieles undurchsichtig; wir wollen das Böse nicht - tun wir es dennoch? Wer kann uns auf dem richtigen Weg halten, so dass wir uns nicht verlaufen? Frömmigkeit allein reicht da auch nicht, denn fromm waren auch damals viele. Ich denke, es muss tatsächliche Realität in unserem Leben werden, was geschrieben steht: "Meine Schafe hören meine Stimme!" "Ich bin der gute Hirte." "Er ruft seine Schafe,die ihm gehören, beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er seine Herde versammelt hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden aber folgen sie nicht, sondern laufen vor ihm weg, weil sie seine Stimme nicht kennen." (aus Johannes 10 - Abfolge geändert)

Das moralische Prinzip allein kann uns nicht leiten, so gut es ist. Wir brauchen die Stimme dessen, der außerhalb menschlicher Bewertung steht und der uns mit seinem Herzen leitet. Wie schon der kleine Prinz bei St.Exupery sagte"Man sieht nur mit dem Herzen gut!"