Die Belohnugnsfrage ist mir in den letzten Tagen immer noch nachgegangen. Ist es Christlich, alles aus reinsten Motiven, ohne jeden Eigennutz zu tun? Ist es un-Christlich, wenn wir eigennützige Motive bei unseren Handlungen haben?
Einmal: Die Forderung, ohne jedes Eigeninteresse zu sein, geht über die Forderung Jesu' hinaus. Wie schon im letzten Blog erwähnt: "Wer sein Leben verliert ..., der wird es gewinnen." Am Ende steht doch ein eigennütziger Gedanke. Der Unterschied ist nicht zwischen "Mit-Eigennutz" und "Ohne-Eigennutz", sondern in einer Zeitfrage: Eigennutz jetzt oder Eigennutz später?
Erinnert das nicht an die Geschichte von Esau und dem Linsengericht? Er wird von der Bibel in seinem Verhalten kritisiert, weil er kurzfristigen Gewinn über den langfristigen stellt. Kurzfristig stillt er seinen Hunger, langfristig verliert er sein Erbrecht.
Quer durch die Bibel zieht sich das Thema der Belohnung, die der gerecht Lebende von Gott empfängt oder in Zukunft empfangen wird. Und oftmals erfordert die zukünftige Belohnung, "kostspielige Entscheidungen" im heute. ("Kostspielig" soll hier nicht in erster Linie finanziell verstanden sein, sondern so, dass es kurzfristig erhebliche Nachteile mit sich bringen kann, den Weg des Gottes Gehorsams zu wählen.)
Wer Gottes Gebote hält, der hat großen Lohn (Ps 19,12), Jesaja tröstet sich mit dem Gedanken an den Lohn, der für ihn bei Gott ansteht (Jes 49,4), wer einem Propheten auch in kleinen Dinge dient, wird eines Propheten Lohn von himmlischen Vater erhalten (Mt 10,41), den Jüngern, die sich nach Jesu Worten verhalten wird zugesagt: "Euer Lohn ist groß im Himmel." (Mt 6,23) und die Bibel endet im letzten Kapiteln mit den Worten Jesu "Ich komme bald und mein Lohn mit mir." Offbg 22,12 Gott steht offensichtlich zum Belohnungsprinzip!
Wenn wir Gott, im Gegensatz zur Bibel, zu einem Gott machen, der von uns völlige Eigennutz-Freiheit fordert, übersteigen wir das biblische Gebot. Ich denke, wir entehren Gott damit - denn Er will immer die Ehre des Gebenden für sich behalten! Und wir gehen an der menschlichen Realität vorbei - wir sind eben so, wir wollen letztlich einen Nutzen von unserem Verhalten, wir sind keine lupenreinen Idealisten. Wir sind Kinder! Kinder schaffen es auch bei bester Erziehung nicht, ganz ohne Eigennutz zu handeln. Ähnlich wohl auch bei Erwachsenen!
"Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen." 1 Kor 15,19 - so Paulus! Wenn wir nur in der Perspektive auf dieses Leben leben, dann lasst uns "essen und trinken, denn morgen sind wir tot." Jes 22,13. Was wir haben sollen und haben dürfen, ist die langfristig eigennützige Perspektive: Gott wird mich belohnen! Darum treffe ich heute die richtige Entscheidung, sogar dann, wenn sie mir im Jetzt nicht nützt, sondern eher schadet.