Mittwoch, 8. September 2010

Mit Belohnung oder ohne?

"Wenn du mir beim Abwaschen hilfst, dann gebe ich dir hinterher ein Stück Schokolade." Das ist Bestechung. Sollte man nicht als freundlicher Zeitgenosse einfach mit helfen und abwaschen, ob man nun belohnt wird oder nicht?

Wie kriegt man aber einen unwilligen Zeitgenossen dazu, sich an unliebsamen Aufgaben zu beteiligen? Man kann ihn zwingen, mit Gewalt, Gewehr oder anderer Kraft-Methode. Das ist aber auch nicht so schön, denn nun tritt an die Stelle der Motivation die Furcht. "Wenn du mir nicht hilfst, erschiesse ich dich!" Wie nun?

Ich denke, wir haben ein "christliches Problem" darin, dass wir denken, die schönste Form der Liebe ist die ohne Eigennutz (und ohne Furcht). Wir streben nach diesem schönen Ideal eines Menschen, der einfach "gut" ist, ohne davon einen persönlichen Nutzen zu haben. Nur, wer hält das denn in Wirklichkeit für länger als eine halbe Stunde aus? Ich denke, wir kommen an der Tatsache nicht vorbei, dass jeder von uns ein tiefstes Interesse an sich selbst hat - Eigennutz - oder: was kommt dabei für mich heraus? Wenn man versucht, den Eigennutz quasi christlich als unschön zu verbieten, versteckt er sich nur hinter einem frommen Mäntelchen, weg ist er deswegen noch lange nicht.

Aber hier ist mal ein anderer Gedanke dazu: Vielleicht muss er ja gar nicht komplett weg, der Eigennutz, sondern er muss nur richtig gelenkt werden.

"Und er rief zu sich das Volk samt den Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten." Markus 8,34-35

Dazu St.Augustin: "Wenn du dein Leben liebst, dann steht es in der Gefahr, zerstört zu werden. Deswegen darfst du es nicht lieben, weil du es nicht zerstört sehen willst. Aber darin, dass du es nicht zerstört sehen möchtest, zeigst du Liebe für dein Leben."

Das heisst, du liebst dein Leben dann am besten, wenn du es nicht liebst, sondern verlierst. Aber gerade darin, dass du es letztlich nicht verlieren willst, zeigt sich wieder die Liebe für das "Selbst", oder der Eigennutz. Man kommt vom Eigennutz nicht weg, letztlich hassen wir den Tod, wir wollen das Leben nicht verlieren, es ist ja auch erhaltenswert. Das ist erlaubt!

Nur wie? Der ist auf richtige Art eigennützig, der nicht nur seinen eigenen Nutzen sieht, sondern, dass es ihm nützt, sich nicht zu nützen. Verwirrt??? Ich auch ein bisschen, muss ich vielleicht noch einen anderen Blogg drüber schreiben, aber nicht heute!