Noch ein kurzer Bericht. Heute war ich zum ersten Mal auf dem Tempelberg. Zu Anfang ist es etwas einschüchternd, weil man in langer Schlange vor der Sicherheitskontrolle anstehen muss. Ziemlich viel Militär, Maschinenpistolen, kugelsichere Westen, Schlagstöcke und dergleichen sind zu sehen, so dass man schon mit einem leicht mulmigen Gefühl loszieht. Irgendwie hatte ich auch die Erwartung, dass es so ähnlich sein würde wie bei früheren DDR Grenzkontrollen; dabei fühlte man sich schon nicht so gut und danach war man auf einmal nicht nur in einem anderen Land, sondern auch in einer anderen Atmosphäre - zumindest direkt an der Grenze. So ähnlich, dachte ich, geht es mir auch auf dem Tempelberg, denn ich hatte es als komplett muslimisches Gebiet eingeordnet, und dachte: "Man wird sich als Christ vielleicht dort nicht so willkommen und sicher fühlen."
Ihr merkt es schon an meiner Schreibweise, es war dann ganz anders! Der erste Eindruck war: "Wow, das ist ja viel größer als ich dachte." Und dann spürte man einen erstaunlichen Frieden, wenn man nicht gar von einem Eindruck von Gottes Gegenwart sprechen sollte. Es ist wirklich ein besonderer Ort. Die Scharen strömten nur so, denn es gehen ganze Busladungen auf den Tempelberg. Auch dort oben lief einiges an Sicherheitskräften herum, und sie waren deutlich kriegerischer asugestattet als ein englischer Bobby.
Und dann kamen noch ein paar Überraschungen auf mich zu. Einerseits hatte ich noch nie gepeilt, dass die Al Acsah Moschee gar nicht der goldene Dom ist, den man immer auf den Postkarten von Jerusalem sieht, letzteres ist der Felsendom und ist gar keine Moschee sondern ein Schrein - aha! Und die Moschee hat eine schwarze Kuppel und sieht nicht besonders beeindruckend aus, also kein doller Prachtbau islamischer Baukunst aus früheren Jahrhunderten. Direkt neben Al Acsah ragen einige kleine Kupeln aus dem Boden - darunter ist die erst kürzlich gebaute große unterirdische Moschee mit ...zigtausend Plätzen. Dass es die gab, wusste ich überhaupt nicht! Bin nur ich so unschlau, oder wird manches in den Medien einfach nie erwähnt?
Na ja, wie auch immer - meine eigentliches Schlüsselerlebnis kam etwas später, als auf einmal einer der islamischen Sicherheitsleute brüllend auf uns zukam: "Don't pray here!" - Hier darf man nicht beten, sagte er. Nein, sagte er nicht, brüllte er. Hmmh, da ist etwas in mir, das sagt: "Das Beten will ich mir von niemandem verbieten lassen, schon gar nicht, wenn ich hier so still und unstörend in der Gegend stehe."
Und noch ein Schlüsselmoment, als wir dann die Stufen zum Tempelberg von Osten kommend wieder hochkamen. Da hatte jemand vor einem Moment mit dem Wasserschlauch sauber gemacht und auf den Stufen stand das Wasser noch. Das erinnerte mich sehr an Hesekiel 47. Da steht, dass eines Tages ein Strom vom Tempelberg in östlicher Richtung fliessen wird. Der Strom bringt nicht nur Wasser, sondern er wird Leben bringen. Es ist schon ein ganz erstaunlicher Eindruck, wenn man da oben steht und denkt: "Hier ist das alles passiert, was in der Bibel steht: Abraham,Moses,David, Salomon - und hier wird auch noch alles das passieren, was in der Bibel steht!"
Heute war ein Tag, an den ich sicher noch öfter zurück denken werde.