Wie schön man manchmal aus praktischer Erfahrung lernt! Beim Arbeiten im Wald flogen mir doch gleich mehrmals Sachen in die Augen. Trotz Schutzgitter und Helm! Die meisten waren dann aber dank Tränen schnell wieder ausgewaschen, aber einer war hartnäckig! Nach getaner Arbeit war er immer noch im Auge - Augen zumachen und ein Weilchen warten hat auch nicht geholfen ... auswaschen, Kopf eintauchen, im Augen rumpuhlen ... immer noch drin. Na gut, es wird wohl über Nacht weggehen. Mitten in der Nacht werde ich wach, weil das Auge sich immer noch beschwert: "Hier ist was drin, was hier nicht hingehört, es irritiert mich, mach es raus!!!!"
Nochmal waschen, spülen, sauber machen - ahh, Erfolg, es ist raus, ich kann schlafen gehen und das einfach abheilen lassen.
Und nu, was sagt mir das in Bezug auf den berühmten Splitter im Auge des Bruders und den Balken im eigenen?
Einerseits sagt es mir, hier geht es um etwas das wirklich irritiert. Man kann es nicht einfach in Ruhe lassen, es muss was passieren. Es mag wohl klein sein, aber es irritiert wirklich und hat auch Nebeneffekte: Kopfschmerzen, vermindertes Sehvermögen, und eine generelle Behinderung und Ablenkung vom Normalzustand. Das muss geändert werden.
Jesus meint also wohl, dass wir zuweilen Dinge in anderen wahrnehmen, die vielleicht klein sind, aber tatsächlich sehr irritierend, störend und auch schädlich sind. Wenn er dann vom Balken im eigenen Auge spricht, sagt er nun aber NICHT: "Schwamm drüber, vergiss es einfach. Lass den anderen in Ruhe und tu so, als wäre gar nichts irritierendes da." Sondern er sagt: "Ähnliches ist auch in deinem Leben irritierend, und es liegt dort in einem großen Ausmass vor. Kümmer dich mal darum. Denk mal über dich selbst nach und bemühe dich, die irritierenden Sachen aus deinem Leben zu entfernen. Da es vieles ist, lass dir ruhig Zeit und mach es gründlich."
Aber dann ist der Bruder dran!!!!
Die Sache mit dem Splitter kann man nämlich nicht einfach in Ruhe lassen, es irritiert zu sehr. Und es ist auch wirklich hilfreich für den Bruder, wenn einer, der's kann, den Splitter herausholt. "Ach tut das gut! Danke lieber Bruder, das hat mich schon lange gestört und ich konnte es allein einfach nicht rauskriegen!" So oder so ähnlich sollte es wohl sein - in der Gemeinde und überhaupt!