Sonntag, 24. Juli 2011

Gedanken zum Tod

Wenn jemand stirbt, wie nennen wir das? "Er hat sein Leben verloren." Sonderbarer Ausdruck eigentlich, als ob etwas zufällig abhanden gekommen ist. Eben war es noch da, und auf einmal, ist es überraschend und unerklärlicherweise "verloren gegangen". Man kann es auch nicht mehr finden.

Es scheint, dass wir letztlich dem Ereignis "Tod" gegenüber unfassbar gegenüber stehen. Dann werden alle Theorien als leer entpuppt. In unserem Innern sagen wir "Das darf doch nicht sein!" Selbst in den Situationen, in denen manche vom Tod als eine Art von Erlösung sprechen, bleibt doch das Gefühl von Verlust und Trauer und Enttäuschung. Wirklicher Kontakt mit Tod ist immer schrecklich für uns, scheint mir.

Ich wollte einfach mal ein paar Gedanken zum Tod aufschreiben ... oft ist es so ein Tabu Thema, man redet nicht darüber ... dennoch betrifft es unausweichlich uns alle, nicht wahr???

Ein Gedanke: Im Angesicht des Todes werden Worte, besonders aufrichtige Worte sehr wichtig. Man wünscht sich, dass es Worte der Liebe und Vergebung gegeben hätte. Wenn diese nicht da waren, fehlen einem diese Worte als Teil des Abschieds. Gespräche über das Wetter, Politik, Sport etc. sind im Angesicht des Todes irrelevant; was zählt sind Gespräche über innere Haltungen, Gefühle, Urteile und besonders die persönlichen Ausdrücke einer liebevollen, dauerhaften Beziehung.

Zweiter Gedanke: (und diese Gedanken sollen nicht zu einer phantastischen Antwort hinführen, sie sind einfach ein Sammelsurium...) Einer meiner Freunde hat eine Weile in einem Hospiz gearbeitet, interessanterweise sagte er, dass in der Todesstunde viele nach der Mutter oder dem Vater rufen. Nicht unbedingt nach dem Ehepartner, mit dem sie 40 oder mehr Jahre verbracht haben. Das gibt dem "Du sollst Vater und Mutter ehren" noch mehr Gewicht, denke ich.

Dritter Gedanke: Unsere Tabu Haltung zum Thema äußert sich unter Umständen in der Aufforderung an die Hinterbliebenen (noch so ein seltsames Wort...) "Seid nicht traurig!" Gerade das wäre aber die natürliche und richtige emotionale Reaktion. Die Bibel ist da menschlicher; wenn etwas trauriges passiert, dürfen und sollen wir traurig sein. Die Aufforderung zum Nicht-traurig sein kann einfach aus der Unbeholfenheit des Umfeldes entstehen, die durch die Trauer an die Tatsache des Todes erinnert werden - und unbewusst möchten sie das nicht.

Vierter und letzter Gedanke: Beim Sterben kann man unterscheiden zwischen "Leben verlieren" und "sein Leben geben". Letzteres benutzen wir meistens, wenn es um ein "heroisches Sterben" geht. Aber ich denke, man könnte das durchaus auch auf das unheroische Sterben ausweiten. Jedes Leben ist ein Geschenk. Wenn ich ein Leben betrachte, das nun nicht mehr unter uns agiert, spricht und "lebt", kann ich das unter dem Gesichtspunkt des Verlustes tun, dh. "Er/sie ist weg. Sie können mir oder uns nicht mehr das geben, was sie sonst gegeben haben.Darüber bin ich traurig." Oder ich kann es unter dem Gesichtspunkt des Geschenks sehen: "Er/sie sind nicht mehr zugegen, aber das Geschenk ihres Lebens kann nach wie vor Auswirkung haben. Wofür stand dieses Leben? Was habe ich durch dieses Leben empfangen, was kann ich als Geschenk weitergeben?"